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Spurensuche: Lebensweisen und Umwelträume im Vergleich

Deutschland 2000 - Tansania 2000 - Lutherzeit in Wittenberg



Die Ausstellung wurde als spezielles Vorhaben des Kirchenpfades entworfen. Von Juni bis November sahen 1251 Besucher bzw. 61 Gruppen die fünf gestalteten Räume im KFH. Das Angebot von Führungen und die Möglichkeit der Gestaltung von Projekttagen wurde insbesondere von den Wittenberger Schulen freudig wahrgenommen.
Im Heft erzählen Fotografien und Texte von der Ausstellung.
Mit dem Versuch Lebensweisen und ihre ökologischen Auswirkungen in drei "Epochen" zu vergleichen, sich sozusagen der Nachhaltigkeit im "Dreisprung" zu nähern, betrat das Ausstellungsteam Neuland. Es konnte dabei viel lernen und musste auch Lehrgeld zahlen. Das Thema wird weiter mit Interesse bearbeitet werden. Die Beiträge in diesem Heft - aus dem Recherchefundus - berichten weit über die eigentliche Ausstellung hinaus. Unerwartet große Unterstützung erfuhr die Ausstellung durch zahlreiche Personen und Einrichtungen. Wir bedanken uns ganz herzlich. Ohne diese Hilfe wäre das Vorhaben nicht gelungen (s. Liste der Unterstützer S. 32). Besonders möchten wir uns aber bei Mama Faraja und Matthew Matimbi aus der Ev.-Lutherischen Partnerkirche in Tansania bedanken. Sie haben mit uns den Tansaniaraum gestaltet und uns in schwierigen Situationen ermutigt, am Konzept "durch Vergleiche Lebensgeschichten zu erzählen und neue Zugänge zu öffnen" festzuhalten. Ihre Teilnahme vor allem ließ die Ausstellung zu einem echten Nord-Süd-Exponat werden. Zum engen Arbeitsteam gehörten weiterhin Heide Künanz und Andreas Sicks. Ihnen danken wir auch ganz herzlich.
Mit freundlichen Grüßen aus dem Forschungsheim

Ihre
Uta Hable Hans-Joachim Döring Eva-Maria Herz-Michl


Spurensuche: Lebensweisen - Umwelträume

Deutschland 2000 - Tansania 2000 - Lutherzeit in Wittenberg
Eine Ausstellung zur Agenda 21


Die Ausstellung "Spurensuche ..." gibt Anstöße zum Nachdenken über Gesundheit für Mensch und Natur. Verlangt das Bedürfnis nach Gesundheit für Mensch und Umwelt nicht konsequentes Handeln? Gesundheit für alle!? Fordern die sich erschöpfenden natürlichen Ressourcen einerseits und die vielerorts bestehenden sozialen und finanziellen Nöten andererseits nicht, dass wir ein harmonisches Trio von Ökologie, Ökonomie und Sozialleben anstreben? Ist dies nicht weltweite Herausforderung? Müssen wir nicht trotz der Knappheit der Ressourcen den Entwicklungsländern ihre verstärkte Nutzung zugestehen? Mit zahlreichen Anschauungsobjekten richtet sich die Ausstellung an Besucher aller Altersgruppen. Einzelne, in sich geschlossene Räume verleiten zum Eintauchen in die herausgestellten, gegensätzlichen Lebensweisen. Die Besucher erleben eine spannende Reise von der Lutherzeit über das heutige Deutschland bis nach Tansania. Schwarz umhüllt beginnt sie, wo die Pest zur Lutherzeit erschaudern lässt. Blendend hell, doch kalt, der nächste Raum, der dem Besucher mit hochtechnisiertem Krankenbett den Fortschritt hin in unsere Zeit vergegenwärtigt. Erdfarben warm folgt der Tansania- Raum mit einem eingerichteten Lehmhaus. Im atmosphärischen Blau des letzten Raumes schließt sich die Schau: Was wäre, wenn alle Menschen so leben würden wie wir Europäer ...? Im Folgenden wird eine kleine Auswahl von Zitaten und Zahlen wiedergegeben:

Deutschland 2000 - Tansania 2000 - Lutherzeit in Wittenberg Der Mensch hinterlässt Spuren. Spuren haben sich im Laufe der Menschheitsgeschichte verändert. Spuren verändern unseren Lebensraum. Hält der Mensch das aus? Und die Erde? Gesundheit für uns - unsere Umwelt! Gesundheit für alle? Wer gibt das Maß?

Lutherzeit 1525 : Dr. Martin Luther heiratet Katharina von Bora und jeder 6. Einwohner Wittenbergs stirbt an der Pest.

Deutschland 2000: 50 Millionen PKWs für 80 Millionen Einwohner. 8000 Verkehrstote im Jahr. Rettungswagen sind in 8,1 Minuten am Einsatzort.

Tansania 2000: Jedes 6. Kind erreicht nicht das Erwachsenenalter. Oft sind Patienten tagelang zum Krankenhaus unterwegs.

Lutherzeit: Der Reformator Philipp Melanchthon warnt: "Das Zorngericht des großen Gottes prophezeit, daß nehmlich am Ende der Welt man an Holze grosse Noth leiden werde."

Deutschland 2000: Energieträger und -lieferant sind zu 96 % fossile Brennstoffe und Kernenergie. Bei der Herstellung eines PC werden 3000 kg Naturresourcen verbraucht.

Tansania 2000: Frauen und Kinder müssen beim Feuerholz- Sammeln immer weitere Wege zurücklegen. Eine Familie benötigt 18 kg Brennholz pro Tag.

Lutherzeit: "Aderlassen, Schwitzen, Einnehmen von herzstärkenden Arzneien und Öffnen der Eiterbeulen" waren Empfehlungen zur Behandlung der Pest. Das sicherste Mittel war damals zweifellos die Flucht.

Deutschland 2000: Für 300 Einwohner gibt es einen Arzt. Staatliche Gesundheitsausgaben: 6000 DM pro Person im Jahr.

Tansania 2000: Für 100.000 Einwohner gibt es 4 Ärzte. Die wenigen Ärzte arbeiten bevorzugt in der Stadt, wo es bessere Verdienstmöglichkeiten und weiterführende Schulen für die Kinder gibt. 75 % der Bevölkerung leben jedoch auf dem Land. Staatliche Gesundheitsausgaben: etwa 3 DM pro Person im Jahr.

Lutherzeit: Die ältesten Sterbebücher der Stadt bezeugen den Tod vieler junger Frauen und vor allem zahlreicher Kinder. Durchschnittliche Lebenserwartung: 40 Jahre

Deutschland 2000: Durchschnittliche Lebenserwartung: 82 Jahre

Tansania 2000: Durchschnittliche Lebenserwartung: 47 Jahre

Lutherzeit: Die Städte stanken. Fehlende Müllabfuhr und Straßenreinigung sowie die Rattenplage begünstigten die Pest-Epidemien. Deutschland 2000: Luftverschmutzung: der Kohlendioxid- Ausstoß pro Person beträgt 10,5 Tonnen im Jahr.

Tansania 2000: Der Kohlendioxid-Ausstoß beträgt weniger als ein Hundertstel der deutschen Ausstoß- Menge. 34 % der Bevölkerung haben kein sauberes Trinkwasser. Uta Hable



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