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Eine Kampagne mit guten
Aussicht, denn
Entwicklung braucht
Entschuldung!
in: Briefe zur Orientierung im
Konflikt Mensch - Erde, Heft 50 (KFH), S. 19–21, März
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Liebe Leser, liebe
Leserinnen!
Zu Beginn möchte ich Ihnen
gern einige Fragen vorlegen:
1. Falls sie einen Kredit
aufgenommen haben: Wieviel Prozent ihres monatlichen Einkommens beträgt die
Tilgungsrate? 5 % oder 25 %, 80 % oder gar 300 %?
2. Bitte entziffern Sie
diese Zahl: 2.171.000.000.000,00
Für die Entwicklungsländer
werden von den internationalen Banken 25 % des jährlichen Exporterlöses als
vertretbare zumutbare Zins- und Tilgungsleistung, für vor Jahren aufgenommenen
Kredite, angesehen. Die meisten unterentwickelten Länder müssen aber
50 %, 80 % oder gar 300 %
aufbringen.
Der Gesamtschuldenstand
dieser Länder gegenüber den internationalen Banken und den nördlichen
Industrieländern beträgt zweitausendeinhunderteinundsiebzig Milliarden
US-Dollar. Eine aberwitzige Zahl.
Ich möchte Sie auf eine
Aktion aufmerksam machen und lade dazu ein.
Kirchen, Gemeinden,
entwicklungspolitische und auch umweltpolitische Organisationen und viele
einzelne Bürger setzen sich seit einiger Zeit verstärkt für den Erlaß der
unvorstellbar hohen Schulden ein.
Sie haben ein weltweites Bündnis geschlossen und gute Aussichten zu einem Erfolg
zu kommen. Sie können dazu beitragen.
Für die Unterstützung gibt
es eine Reihe von Gründen:
1.
Wir sollten uns nicht damit
abfinden,
daß über einen Milliarde
Menschen auch noch im neuen Jahrtausend für Schulden aufkommen muß, die ihre
meist inzwischen ausgewechselten Regierungen auf Grund falscher Konzepte
aufgenommen und meist mit nördlicher Unterstützung in den Sand gesetzt haben.
Irgendwann muß Schluß sein – wie im privaten Leben – daß Schulden Jahrzehnte
über Leben und Tod bestimmen. Die Sozialgesetzgebung kennt ein „pfändungsfreies
Mindesteinkommen“. Das Wirtschaftsrecht kennt die beschränkte Haftung und ein
Konkurs- bzw. Insolvenzrecht, welches den Geschäftsmann vor dem Elend schützen
soll. Notwendige und sinnvolle Mechanismen. Diese sollen auch gegenüber
besonders armen Ländern wirksam werden. Viele Völker des Südens müssen über
Jahrzehnte für Kriege bezahlen, deren Anstifter und Brandschatzer sie schon
lange davon gejagt haben.
2.
Das Geld für die Entschuldung der ärmsten
Länder ist vorhanden.
Bei dieser Kampagne geht es
primär nicht um Brasilien und China, sonder vor allem um 42 besonders arme
Länder, deren Schuldensumme im Weltmaßstab relativ gering ist. Je nach
Berechnungsart zwischen 5.5 bis 7.7 Mrd. US $. Die Kosten eines einzigen
Stealth-Bombers oder er Bau des EURO-Disney bei Paris waren teurer. Zudem: Die
meisten der Schulden sind Netto schon längst bezahlt und die Banken haben – wie
bei der Atomstromindustrie – durch steuerfreie Rückstellungen die Risiken
sozialisiert.
3. Uns Deutschen wurden in den letzten 40 Jahren zwei mal Schulden erlassen.
I. Beim Londoner Schuldenabkommen 1952 erließ man
der Bundesrepublik als Rechtsnachfolger von Hitlerdeutschland 14.6 Mrd. DM. 5 %
des Exportes sollten maximal für
den Schuldendienst eingesetzt werden. Mehr wurde als sozial gefährlich
angesehen. Deutschland sollte nicht durch seine Vergangenheit für alle Zeit
zurückgesetzt werden. Auch große Summen aus den Reparationsleistungen wurden
erlassen. Die Gründe waren weniger
moralisch als vielmehr klare Berechnung. Nach dem Ersten Weltkrieg litt
Deutschland unter den Kriegsschulden. Das belastete Wirtschaft und soziale
Wohlfahrt, führte zu großen
sozialen Spannungen und trug mit zur Radikalisierung der 20er und 30er Jahre
bei. Einer der Gründe für die
Herrschaft der Nazis. Übrigens, der DDR wurden durch die Sowjetunion die
Reparationen nicht erlassen. Manche errechneten eine Summe von 700 Mrd. Mark, die abfloß
und nicht zwischen Fichtelberg und Rügen eingesetzt werden konnte.
II. Die DDR war 1989 pleite, wie manches
Entwicklungsland. Sie hatte, die Guthaben des Bereiches Kommerzielle
Koordinierung (KOKO) von A. Schlack schon abgezogen, 40 Mrd. DM Auslandschulden
bei westlichen Banken und Regierungen und konnte nicht mehr die Kredite
bedienen. Hätte die Bundesrepublik
diese Schulden (und uns) nicht übernommen, müßten wir heute bei erheblich
geringerem Lebensstand als dem von 1989 leben und arbeiten. Der
Schuldenerlaß genauer die
Schuldenübernahme für uns Ostdeutsche war ein historisch einmaliger Vorgang. Er
sollte uns dankbar stimmen. Wir durften großzügige Entschuldung erst kürzlich
erleben. Ein besonderes Argument für die Unterstützung dieser
Kampagne!
4. Mosambik und Nicaragua sind die am meisten verschuldeten Länder der Welt.
Sie wurden durch die DDR
besonders intensiv beraten und betreut. Ihnen wurden durch die DDR-Außenhändler
die größten faulen Kredite aufgeschwatzt. Die DDR existiert nicht mehr, die
Außenhändler erhalten ihre DM-Rente und die besonders befreundeten
Entwicklungsländer müssen heute diese Schulden in Mark und Westpfennig abtragen.
Der Schuldenstand von Mosambik betrug 1997 im Verhältnis zum jährlichen
Exporterlös
1192,5 %. Bei Nicaragua war
er noch etwas höher. Über 500 Mio. DM der Gesamtschuld Mosambiks gehen auf das
Konto des Handels mit der DDR. Fast alle Großprojekte mit DDR-Beteiligung waren
schon zu Zeiten der DDR Investruinen. Sie brachten dem Land keine Erträge nur
Zinsen und Zinseszinsen. Ein
besonderes Erbe. Um so bedauerlicher ist es, daß die Erlaßjahrkampagne bisher
von Ostdeutschland kaum mit getragen wird. Schuld abtragen helfen können auch
jene, die sie nicht verursacht haben. Man kann aber noch mitmachen.
5.
In der Bibel gibt es
Regelungen für Erlaßjahre
Nach dem Gebot Gottes soll keiner auf Dauer unter seiner Schuldlast, auch der selbst verschuldeten, leiden und seiner Lebensgrundlagen beraubt werden. In Dankbarkeit für die Befreiung aus Ägypten und für das erhaltene Land sollte aller sieben und aller 50 Jahre jeder Verschuldete aus der Schuldknechtschaft befreit und in seinen Besitz wieder eingesetzt werden. Damit er lebe! „Heilig ist das fünfzigste Jahr und verkündet Freiheit für alle Bewohner. Ein Erlaßjahr soll es für euch sein.“ (3. Buch Mose 25. 10). Ob heiliges Wort oder vernünftiges Buch, es ist Anlaß zum Erlaß.
Mit der DDR will ich es auch
nicht übertreiben, aber: 1999 wären es 50 Jahre gewesen. Die aus DDR-Zeiten
bestehenden Altforderungen gegenüber Entwicklungsländern müssen dieses Jahr weg.
Das muß die Bundesregierung, die diese weiterhin noch aufrecht erhält,
begreifen. Sagen wir es ihr.
6. Die nächste Generation soll schuldenfrei und schuldfrei ins neue Jahrtausend gehen.
Es wird für die Entwicklungsländer keine Ansätze zu nachhaltiger Entwicklung geben, wenn nicht die Schulden drastisch erlassen werden. Die Überlastungen der sozialen Beziehungen und der natürlichen Ressourcen werden besonders im Süden steigen, wenn alles auf Export ausgerichtet ist. Zum Beispiel gibt es Modelle des Schuldenmanagements, die Schuldtitel aus dem Nordens in sogenannte Gegenwertfonds für Umwelt und Entwicklung einbringen. Das ist dann kein Erlaß, entlastet aber. Die Entwicklungsländer verpflichten sich dann, in einheimischer Währung soziale und ökologische Projekte zu fördern. Der Druck der Exportproduktion ist genommen. Entwicklung könnte wieder greifen, allerdings in eine günstigere Richtung. Die Konzepte sind bereit. Die Regierungen sollen mit Ihrer Unterschrift und Ihren Aktionen dazu gedrängt werden.
Das Erlaßjahr gibt die Möglichkeit, daß der eine Teil der nächsten Generation schuldenfrei ins neue Jahrtausend geht und der andere schuldfrei.
Was können Sie
tun?
- Sie können die Unterschriftenliste in ihrer Umgebung auslegen und damit eine Diskussion anzetteln.
- Sie können sich informieren und Zusammenhänge entdecken, am besten mit anderen zusammen.
-
Sie können in Ihrer Gemeinde
oder Stadt zu Veranstaltungen einladen.
-
Sie können am 19. Juni nach
Köln fahren, zur Menschenkette um den Weltwirtschaftsgipfel oder zum Kirchentag
nach Stuttgart oder in Ihrer Stadt was anregen. Der Weltbankpräsident James
Wolfsohn rechnet damit, daß die Erlaßjahrkampagne das diesjährige größte
Medienereignis sein wird. Wir sollten ihn nicht
enttäuschen.
-
Sie können sich Material
bestellen und Referentinnen und Referenten einladen.
-
Sie können eine
Schuldenstreichkonzert mit Ihrer Sparkasse oder Bank
veranstalten.
-
Sie können sich Märchen
durchsehen zum Thema Gold oder Geld.
-
Sie könnten in Ihrer Familie
oder im Bekanntenkreis erkunden, wie ging man früher und nach Kriegen mit
Schulden, Verlusten und Krediten um. Was half beim Neuanfang?
-
Sie könnten wieder mal Ihren
Dritte-Welt-Laden aufsuchen und schauen, was es da neues
gibt.
-
Sie könnten ausländische Mitbürger zu festlichen
„Entschuldungs- und Versöhnungsessen“ einladen.
-
Sie können so
viel....
Ich hoffe, ich konnte Sie
auf eine interessante Aktion aufmerksam machen.
Mit freundlichen
Grüssen
Ihr
Hans-Joachim
Döring
P. S. Wenn Sie die
unterschriebenen Listen bis zum 1. Juni des Jahres ans das Forschungsheim
schicken werden Sie am 19. Juni, dem Tag der großen Menschenkette, zum
Weltwirtschaftsgipfel in Köln zusammen übergeben.
Wichtige Anschriften
sind:
Erlaßjahr 2000-Büro
Ostdeutschland
(Süd)
Ostdeutschland
(Nord)
c/o SÜDWIND
Entwicklungspolit. Netz-
INKOTA-Netzwerk
werk
Sachsen
Lindenstr. 58-60
Kreuzstr. 7
Greifswalder Str. 33a
53721 Siegburg
01067 Dresden
10405 Berlin
Tel. 02241/591226
Tel. 0351/4923366
Tel. 030/4289111
Fax. 02241/591227
Fax. 030/4289112
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FriedelHuetz-Adams@erlassjahr2000.de
INKOTA@link-
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